Brave New Media
Als Blogger und Social-Media-Zuständige hier bei studilux interessiere ich mich natürlich nicht nur im Allgemeinen für Internet-Entwicklungen sondern ganz besonders für jenes Feld, das sich mit Social Networking befasst.
Der momentane Diskurs in Deutschland scheint oft auf eine etwas provinziell erscheinende Weise an alten Diskussionen zu hängen. Erst kürzlich wurde auf der Bloggerkonferenz re:publica 2010 moniert, dass sich allzu viele Diskussionen um die alten Vergleiche der klassischen Journalistenschaft mit den Bloggern drehen.
Viel interessanter als diese nun wirklich bereits jahrelang diskutierte Kompetenzfrage ist meiner Meinung nach die Frage nach den Veränderungen der Machtverhältnisse durch Social Media im Internet. Es scheint fast, dass nicht nur hämische Feuilletonartikel über unprofessionell in die Tasten hackende Blogger, sondern auch Teile der Wirtschaftseliten eine grundlegende Wende verschlafen haben.
Das prominenteste Beispiel hierfür ist in jüngster Zeit sicher Nestlé, die auf geradezu haarsträubende Weise eine Viralmarketing-Kampagne von Greenpeace unterschätzt haben. Hier sieht man alte Marketingmechanismen am Werk, aus einer Zeit, als sich ein Image über die alten Medien relativ effektiv kontrollieren ließ. Die einfache Tatsache, die sich in der letzten Zeit – v.a. auch über den Aufstieg von Twitter – ablesen lässt, ist hingegen eine radikale Umverteilung von Macht auf die Seite der Konsumenten. Also auf die Seite einer unkontrollierbaren Masse die selbst entscheidet, welche Informationen über ein Unternehmen bekannt werden oder nicht.
Das Internet wird immer gute und schlechte Entwicklungen hervorbringen. Auf der schlechten Seite mögen unzählige überflüssige Statusupdates stehen. Aber was heißt das schon, wenn Facebook auch ermöglicht, dass Zensur sehr viel schwerer fällt und sich Weltkonzerne nicht mehr ungestraft ignorant verhalten dürfen?


