Nationales Stipendiensystem: ja oder nein?
Letzten Monat haben wir auf studilux.de eine Umfrage zu dem geplanten nationalen Stipendiensystem gemacht. Die Änderungen wurden dann tatsächlich beschlossen, trotz vielfältiger Kritik im Vorfeld. Bei unserer Umfrage kam hingegen ein überraschendes Ergebnis zu Tage: genau 50 % von euch haben dafür, genau 50 % dagegen gestimmt.
Nun sieht es aber auch auf politischer Ebene nicht so eindeutig aus. Im Bundesrat droht das Vorhaben nun zu kippen, die Länder scheinen dagegen stimmen zu wollen. Das liegt unter anderem auch an schlechter Planung: so müssen die Universitäten einen großen Teil der Gelder selbst aufbringen, was Universitäten in strukturschwachen Regionen schwerer fallen wird. Somit wird sich die Kluft zwischen privilegierten und weniger privilegierten Unis noch vergrößern - genau wie im übrigen bei den Studenten.
Denn so nötig ein Ausbau der Stipendienlandschaft in Deutschland ist, so wenig wurde mit dem aktuellen Entwurf versucht, die bestehenden sozialen Ungerechtigkeiten abzufedern. So wird am Ende wiederum hauptsächlich eine Mittel- und Oberschicht gefördert, die durch ihre Herkunft von Anfang an begünstigt wurde. Viele Menschen scheinen geradezu zu verdrängen wie enorm wichtig soziales und kulturelles Kapital ist, und vergessen wie schwierig es ist dieses Fehlen auszugleichen.
So ist es leicht, sich bei diesem Thema hin- und her gerissen zu fühlen: einerseits ist es enorm wichtig, dass Studenten mehr Förderungsmöglichkeiten erhalten. Und niemand möchte den besonders guten Studenten ihren Fleiß, Ehrgeiz oder ihre Intelligenz absprechen. Aber es ist andererseits auch nötig einzusehen, was dazu beiträgt, dass diese Studenten ihre Potentiale überhaupt entfalten können.


