Was Studien so nicht sagen
In Zeiten, in denen Studenten auf die Straße gehen, um gegen Studiengebühren und Studienreformen zu demonstrieren, sollte man meinen, die Zahlen der neu angemeldeten Studenten würden eher sinken. Anscheinend sind die Meldungen über besetzte Hörsäle und ein wachsendes Arbeitspensum gestresster Studenten aber doch nicht so abschreckend, wie eine neue Befragung des HIS zeigt.
Demnach ist der Trend sinkender Studierquoten gestoppt und auch Abiturienten aus “hochschulfernen Elternhäusern” immatrikulieren sich vermehrt.
Dass sich damit die immer wieder bemängelten herkunftsspezifischen Unterschiede an den Hochschulen verringern, ist natürlich eine schöne Nachricht. Die Gründe, wieso das so ist, wurden aber nicht untersucht.
Es ist nicht schwer, einen Zusammenhang zwischen Wirtschaftskrise, Zukunftängsten und wachsendem Leistungsdruck, sich in der Gesellschaft zu behaupten, auszumachen. Schließlich ist es unmöglich, den Debatten über unzumutbar niedrige Gehälter, nahe dem Hartz IV Niveau und laufenden Horrorszenarien über Dauerarbeitslosigkeit und Armut im Alter zu entgehen.
Und ganz ehrlich, es ist nicht schön, sich an seiner Abiturfeier in einer Rede vom Schuldirektor anhören zu müssen, wie düster unsere Zukunftsaussichten sind!
Geht diese Entwicklung mit gutausgebildeten Akademikern und hochmotiviertem Spitzenpersonal einher, ist ja alles wunderbar! Die Berichte von überforderten Studenten, die sich dem wachsenden Druck nicht mehr gewachsen sehen und psychische Probleme bekommen, zeigen aber ein ganz anderes Bild auf.


