Prokrastination ist im Studium eine Gefahr, die eigentlich immer hinter der nächsten Ecke lauert, meistens in Form von endlosem Kaffeetrinkengehen und Youtubemarathonen. Aber nie ist es verlockender und einfacher Arbeit aufzuschieben und in Zeitnot zu geraten als bei jener Beschäftigung, bei der regelmäßig die halben Semesterferien draufgehen: Hausarbeiten.
Schreibschwierigkeiten zu haben ist eigentlich relativ normal. Am Anfang einer jeden Hausarbeit steht die verzweifelte Erkenntnis, dass die Recherche mal wieder viel zu viel Material zu Tage gefördert hat und man keine Ahnung hat, wie eine sinnvolle Gliederung aus diesem Wust an Wissen gebastelt werden soll. Die Herausforderung heißt also erst einmal: eine Einengung des Themas finden und die Punkte herausarbeiten die dafür zentral sind.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es anfangs eigentlich nie zu eng und nie zu wenig Punkte sein können. Es ist mir noch nie passiert, dass mir zu wenig für einen Gliederungspunkt eingefallen wäre. Die ständige Gefahr ist stattdessen die Ausuferung und Zerfaserung vom Hundertsten ins Tausendste. Je präziser und klarer das Themenfeld umrissen ist, desto besser.
Eine weitere Erleichterung des Schreibprozesses, die mir tatsächlich erst recht spät – bei meiner Bachelorarbeit
– in meinem Studium eingefallen ist, ist das Verfassen von Stichpunkten bei den einzelnen Gliederungspunkten. Und damit meine ich nicht zu Beginn, da man während der Recherche sowieso ständig Notizen macht und teilweise schon Unterpunkten zuordnet.
Sondern ich meine ziemlich am Schluss, wenn man kurz davor ist mit dem Schreiben anzufangen und die Fülle von Thesen und Argumenten bereits präsent und erarbeitet hat. Denn jetzt muss man sie ja eigentlich nur noch aufschreiben, oder?
Gerade an diesem Punkt können leicht Schwierigkeiten entstehen. Denn gerade weil schon sehr viel Arbeit getan wurde, ist es schwer anzufangen. Wie alles unterbringen und ordnen? Hier finde ich es wahnsinnig hilfreich unter jeden Unterpunkt (also z.B. 1.1) sehr grobe und abstrakte Stichpunkte zu setzen. Es reichen wirklich nur ein paar Stichwörter. Denn man gerät sehr leicht in die Ausformulierungsfalle: schon ist man dabei nach dem perfekten Ausdruck und der besten Satzkonstruktion zu suchen. Dabei ist man aber schon längst drin im Schreibprozess und tut sich dem entsprechend schwer, etwas Sinnvolles zu Papier zu bringen.
Wenn man sich stattdessen nur Stichwörter aufschreibt, ist man dazu gezwungen sehr abstrakt und präzise zu benennen, worin es in dem Gliederungspunkt wirklich gehen soll. Man wird automatisch die Kernargumente aufzählen und das ganze Drumherum (wie Einleiten in die Thematik, Analyse, Beispiele, Verweise auf andere Punkte) fällt erst mal weg. All diese Sachen werden sich sowieso im Laufe der Argumentation ergeben, da ein Punkt in den anderen überleitet.
Wichtig ist zuerst, die Hürde vor dem Schreiben der Arbeit so niedrig wie möglich zu halten. Je weniger du das Gefühl hast, jetzt einen riesigen Schritt tun zu müssen, desto leichter wirst du anfangen können zu schreiben.